Island

Liebes Tagebuch,

nach den großen Roadtrips in Neuseeland und Kanada haben wir uns für Island ein anderes Konzept überlegt. Statt Camper hieß es dieses Mal: ein robuster Allradler – unser Dacia Duster, liebevoll „Herb“ getauft – und drei feste Unterkünfte als Homebase für zwei Wochen.

Island kann teuer sein, und beim Preisvergleich scheint es nach oben hin oft keine Grenzen zu geben. Wir haben uns auf Selbstverpflegung konzentriert und fleißig zwischen Booking.com, Airbnb und den Direktseiten der Vermieter verglichen. Neben den Preisvergleichen haben wir uns auch immer die Lage der Unterkünfte angesehen. Uns war es wichtig, dass sie etwas Abseits von Hauptstraßen lagen, aber dennoch nicht weit von unserer Route abgewichen sind.

​Gebucht haben wir „Herb“ übrigens über Northbound. Der 24/7-Shuttle-Service hat super funktioniert – ein entspannter Start ins Abenteuer.

Highlights

Golden Circle

Bruarfoss

Tja, was sollen wir sagen? Natürlich haben wir den klassischen Golden Circle mitgenommen. Ein Highlight der etwas anderen Art war allerdings die Tomatensuppe für 10,50 €. Klingt erst mal viel, aber es ist faszinierend zu sehen, wie Island die geothermale Energie nutzt, um mitten in dieser rauen Natur Tomaten zu züchten. Bei dem Gewächshaus-Restaurant Friðheimar bekommt man alles, was das Tomaten-Herz begehrt: Neben einer klassischen Tomatensuppe, auch Tomatenbier, Tomato Espresso Tonic, Tomateneis und was natürlich nicht fehlen darf: Bloody Mary.
Aber starten wir vielleicht erstmal beim Bruarfoss an. Der Bruarfoss ist ein eisblauer Wasserfall, den man von einer Brücke aus bestaunen kann. Aber nicht nur die Farben sind einzigartig, sondern auch das Phanömen, dass er etwas abseits des klassischen Golden Circle liegt und somit von Touristenbussen nicht angesteuert wird. Also vielleicht ist der Bruarfoss ein offener Geheimtipp?

Strokkur (Geysir)

Als nächstes sind wir zum Strokkur Geysir gefahren. Und mit einem Mal sieht die Landschaft ganz anders aus. Überall sind brodelnde Wasserquellen, Schwefelwolken (yeah, der Geruch von faulen Eiern) und eine atemberaubende Geothermallandschaft. Am spannendsten ist natürlich der Strokkur Geysir, der alle paar Minuten ausbricht und die „Ahh“- und „Oh“-Rufe der Bestauner, oder natürlich das Fluchen derer, die den Ausbruch verpasst haben, weil sie kurz geblinzelt oder weggeschaut haben.
Als die Touristenbusse kamen, sind wir schnell weitergefahren. Also vielleicht als Faustregel: Sei vor 11 Uhr am Geysir.

Gullfoss

Unser nächster Stopp galt dem Gullfoss. Einer der mächtigsten Wasserfälle Europas und dadurch natürlich ein absoluter Touristenmagnet (hier gibt es u.a. einen Souvenirshop, ein Restaurant und Toiletten). Die Wasserführung beträgt ca. 130.000 Liter/Sekunde: Das sieht und hört man nicht nur, sondern man fühlt es auch. Trocken kommst du dort nicht weg. Im Nachgang war der Gullfoss, der Wasserfall, der uns am wenigstens begeistert hat. Nachdem wir beim Gullfoss also ordentlich nass geworden sind, haben wir uns die obengenannte Tomatensuppe gegönnt. Danach sind wir zum Red Crator gefahren, der zwar auch stark frequentiert ist, aber dennoch aufgrund seines Farbenspiels echt sehenswert ist.

Reykjadalur Hot Springs

Zum Tagesabschluss ging es zu den Reykjadalur Hot Springs. Eine Wanderung führte uns und direkt zu den heißen Quellen unter freiem Himmel. Auch, wenn die Wanderung nur 4 km lang ist, haben wir zwischenzeitlich echt geflucht. Nicht, weil die Wanderung so anspruchsvoll war, sondern eher, weil der Tag sehr anstrengend aufgrund der vielen Stopps und Eindrücke war. Das Wasser war stellenweise so heiß, dass wir uns fast die Füße verbrannt hätten. Aber dennoch: Es gibt kaum etwas Besseres, als nach einem Tag voller Action im dampfenden Wasser zu liegen und alles um sich herum zu vergessen. Sollten wir nochmal hierher zurückkommen, würden wir auf jeden Fall ein leckeres Getränk und eine Tüte Chips mitnehmen. Für die Isländer sind solche Quellen ein Ort zum Entspannen und Netzwerken nach einem stressigen Alltag.

Insgesamt haben wir für den Golden Circle einen Tag eingeplant und das war auch vollkommen ausreichend (natürlich ohne Schnorcheln in der Silfra-Spalte).

Thinkvellir Nationalpark - Silfra-Spalte

Wir haben es uns vorgenommen und auch wirklich gemacht: Wir sind zwischen der eurasischen und der amerikanischen Kontinentalplatte schnorcheln gewesen. Das Wetter war grauenvoll: Es war grau, 11 Grad, leicht nebelig und zwischenzeitlich am Regnen. Wir haben unsere Tour bei Troll.is inkl. Drysuits gebucht.
Mit Thermounterwäsche und dicken Socken haben wir uns in die Drysuits gekämpft (ernsthaft, dabei wir dir warm!). Mit Flossen und Taucherbrille inkl. Schnorchel bewaffnet, sind wir zu dem Einstieg gewatschelt. Danach gab es eine kurze Einweisung und Sicherheitswarnungen, da das Wasser nur 2 Grad hat. Ich muss schon zu geben, ich war doch etwas nervös und sehr gespannt. Nachdem wir ins Wasser gehen durften und die erste Sicherheitsübung (auf den Rückenlegen) machen mussten, lief mir direkt Wasser über den Rücken in den Drysuit. Tja, das wars dann wohl mit dem Trocken sein. Aber gut, davor sind wir gewarnt worden, dass es passieren kann. Viel witziger war eigentlich, dass Holger am Schluss festgestellt hat, dass ihm vorne Wasser in den Anzug gelaufen ist und es so aussah, als hätte er sich in die Hose gemacht. 😉

Wir waren knapp 45 Min. im Wasser und egal, wie das Wetter oberhalb des Wassers ist, unterhalb sieht es auch an einem regnerischen Tag traumhaft schön aus. Nachdem das Gesicht 45 min. im Wasser war, und wir durchgehend den Schnorchel im Mund hatten, fühlten wir weder unsere Gesichter als wir wieder an Land waren, noch konnten wir unsere Lippen richtig spüren: Ob sich so eine Botoxbehandlung anfühlt? Ich weiß es nicht.

Ringstraße oder Hochland?

Wir können gut verstehen, dass viele nur die Ringstraße fahren. Es gibt auch entlang der Ringstraße unfassbar viel zu sehen. Aber das Hochland ist spektakulär und es wirkt wie gemalt. Wir sind insgesamt zweimal ins Hochland gefahren: Zum Landmannalaugar und zum Kerlingarfjöll.

Landmannalaugar

Die Anfahrt durch die karge Mondlandschaft ist ein Erlebnis für sich. Du kannst am besten über die Straßen 26 und 208 fahren. Sie sind zwar sehr holprig, aber besonders für Anfänger geeignet, da keine Furten auf dem Weg sind. Zum Schluss nimmst du die F224. Hier benötigst du auf jeden Fall ein Auto mit 4×4 Antrieb. Landmannalaugar ist nur in den Sommermonaten befahrbar.

Direkt hinter dem Parkplatz befindet sich das Camp inkl. kleinem Shop für die Backpacker und Reisenden. Im Camps starten alle Wanderungen, die super ausgeschildert sind. Hier kann man sich nach Lust und Laune (und natürlich Wetter) austoben. Wir haben uns für eine Wanderung aus dem Rother Wanderführer für Island. Die Wanderung vermischte zwei verschiedene Wanderungen miteinander und so hatten wir Streckenabschnitte ganz für uns alleine. Der höchste Punkt unserer Wanderung  ermöglichte uns ein Panoramablick über den Brennisteinsalda, der in Gelb-/Ocker-/Rot-/Rosatönen vor uns thronte. Natürlich machte sich am höchsten Punkt meine Höhenangst wieder bemerkbar, weswegen ich die Aussicht im Sitzen genießen durfte.

Am Ende der Wanderung warteten natürlich die Hot Pools auf uns, die wir uns nach der knapp 7,5 km langen Wanderung auch verdient hatten.

Kerlingarfjöll

Bei traumhaftem Wetter sind wir uns hier durch eine einzigartige Natur gewandert. Es ist eine Welt der Kontraste: Man wandert zwischen glitzerndem Schnee, kochendem Wasser und beißendem Schwefelgeruch. Um zum Kerlingarfjöll zu kommen, befährst  du die 35 bis du nach einiger Zeit rechts auf die F347 abbiegen kannst. Diese F-Road führt dich vorbei an der Highland Base at Kerlingarfjöll hinauf bis zum Parkplatz (Koordination 64,6463611,-19,2784167). Ab hier hast du eine traumhafte Sicht auf den Kerlingarfjöll.

Wechsel zur zweiten Unterkunft

Bis zur Mitte unserer Reise schien alles nach Plan zu laufen. Nach einer knappen Woche wechselten wir die Unterkunft und machten uns auf den Weg Richtung Vík. Unsere Fahrt zu unserer zweiten Homebase war gefüllt mit Highlights: Wir hielten an den imposanten Wasserfällen Seljalandsfoss und Skógafoss, doch unser heimlicher Favorit war der Kvernufoss – ein echtes Juwel abseits der größten Massen. Am Kap Dyrhólaey hofften wir darauf, Papageientaucher zu sichten, doch das isländische Wetter machte uns einen Strich durch die Rechnung. Es war windig, verhangen und so nebelig, dass sich die Vögel leider nicht blicken ließen. Es wäre gelogen, wenn uns das Wetter nicht an dem einen oder anderen Tag aufs Gemüt geschlagen ist.

Jökulsárlón-Gletscherlagune

Ein absolutes Muss, das wir dir auf jeden Falls ans Herz legen möchte, ist eine Zodiac-Tour auf der Jökulsárlón-Gletscherlagune, kombiniert mit einem Abstecher zum nahegelegenen Diamond Beach. Wir hatten an diesem Tag zwar starken Regen und unsere Regenausrüstung wurde bis an ihre Grenzen getestet, doch rückblickend war das ein Glücksfall: Der Regen verlieh der Lagune eine unglaublich mystische, fast schon ehrfürchtige Atmosphäre. Die blauen Eisstatuen im grauen Dunst zu sehen, war ein unvergesslicher Anblick. Witzigerweise hat unser Guide aufgrund des Nebels die Orientierung verloren und das Navigationssystem ist ausgefallen. Was am Anfang eher witzig wirkte, ließ den Guide doch ziemlich nervös wirken. Aber durch Unterstützung eines gängigen Handy-Naviapp haben wir wieder zurück gefunden.

Am nächsten Tag zeigte uns Island seine ungezähmte Seite. Der Ausläufer eines Hurrikans erreichte die Küste. Während unser Tiny House im Sturm etwas wackelte und der Spiegel an der Wand vibrierte, saßen wir drinnen und warteten ab.

Erst gegen Abend beruhigte sich die Lage soweit, dass wir einen kurzen Abstecher nach Vík machen konnte, um eine schwarze Pizza zu essen und zum berühmten Reynisfjara zu fahren. Wegen der gefährlichen Sneaker-Waves und der extremen Winde war der Strand gesperrt; die rote Warnlampe leuchtete hell. Es ist immer wieder unverständlich, dass Menschen diese Warnungen ignorieren und ihr Leben riskieren – die Kraft der Wellen dort ist absolut unberechenbar.

Reykjavik

Hast du gewusst, dass Reykjavik die am nördlichsten gelegene Hauptstadt ist? Und noch dazu ist sie bunt und aufgeschlossen. Allein die Regenbogenstraße mitten in der Innenstadt mit Blick auf die Hallgrímskirkja ist ein Besuch wert. Die Straße steht für Fest der Liebe, Gleichberechtigung und des reichen künstlerischen Geistes Islands. Viele Häuser sind bunt bemalt und laden zum Schlendern und Fotografieren ein. Zum einen wollten wir in Reykjavik gerne nach den legendären Islandpullovern Ausschau halten und zum anderen die bekannten Zimtschnecken probieren. Spoiler: Wir haben keine Islandpullover gekauft. Tatsächlich sind sie wirklich teuer, aber handmade. Aber der wirkliche Grund war, dass die Wolle der Schafe stark kratzt und wir bis dahin keinen wirklichen Anlass hatten, wann wir sie hätten tragen könnten (in Lappland wären sie bestimmt spitze gewesen – hinterher ist man immer schlauer).

Die Zimtschnecken können wir dir wirklich ans Herz legen. Es gibt diese kleine Bäckerei, die vermutlich schon lange kein Geheimtipp mehr ist, names: Brauð & Co. Falls du ebenfalls eine Reise nach Reykjavik plant: Geh dahin!

Geparkt haben wir in der Laugavegur parking garage. Sie war super zentral und erschwinglich. Insgesamt sind wir einen halben Tag in Reykjavik gewesen und hatten dann das Verlangen in die Natur zurückzukehren.

Sky Lagoon und das Ende der Reise

Wie schnell die Zeit doch vergeht. Aber zum krönenden Abschluss gönnten wir uns puren Luxus in der Sky Lagoon. Wir haben uns bewusst gegen die überlaufene Blue Lagoon entschieden und stattdessen das berühmte „7-Stufen-Ritual“ in der Sky Lagoon genossen. Die Anlage wirkt unglaublich edel, und der Infinity-Pool bietet einen atemberaubenden Blick auf das offene Meer. Während man an der Bar direkt im Wasser ein Getränk genießt, kann man die vielen Eindrücke dieser wilden Insel noch einmal Revue passieren lassen. Ein perfekter, entspannter Ausklang für ein echtes Abenteuer.

Fazit: Island – Ich mach mir die Welt wie sie mir gefällt

In Island spürt man, dass hier die Natur herrscht. Seien es die Schafe, die gefühlt die Straßen regieren, oder die Naturgewalten, die jeden Tag deine Pläne aufs neue durcheinander bringen können. Dennoch ist es ein wunderschönes und vielseitiges Land, dass viel zu bieten und zu bestaunen hat. Gleichzeitig bietet Island eine unfassbare Möglichkeit zum Herunterkommen und Entspannen, und das nicht nur aufgrund der vielen heißen Quellen. Besonders das Hochland möchten wir dir ans Herz legen. Es ist eine malerisch schöne Landschaft, die wir so noch nie gesehen haben.

Hilfsmittel

Unsere Unterkünfte

Austery Cottages

(unfassbar schön und indylisch gelegen mit traumhaftem Blick auf Schafe und einen See sowie die weite Islands; Perfekter Startpunkt für Tagesausflüge zum Landmannalaugar, Thinkvellir Nationalpark, Golden Circle und Kerlingarfjöll)

Giljaland Accomondation

(idyllische Lage, pragmatische Tinyhäuser mit Parkplätzen und viel Ruhe; Perfekter Zwischenstopp zwischen Vik und Jökusárlón)

Fisherman’s Village

(Tipp aus dem Reiseführer; tolle Lage mit Blick auf das Meer und Islandpferde; Toll ausgestattet mit Sauna und Hottubs, Zentrale Lage für Reykjavik und zum Flughafen)